Kapitel 5 - Nachrichten
So gingen noch ein paar Jahre ins Land, und als Leonard ein junger Mann wurde meinte sein Vater eines Tages auf dem Markt, dass es Zeit würde, dass er heiratete.
"Aber ich will noch gar nicht heiraten", schmollte Leonard. "Ich will nicht zugewiesen bekommen, mit wem ich zusammen sein soll. Ich möchte meine Liebste selber finden, sie erobern und ein Held sein!"
"Damit verdienst du dir aber nicht deine Brötchen", sagte Ferdinand. "Und außerdem ist Held sein nicht gerade einfach. Du musst dafür Nerven aus Stahl haben, du musst Magie beherrschen - was du immer noch nicht tust - und gegen Drachen kämpfen, und du kannst dabei sogar sterben. Außerdem brauchen wir dich. Wer soll denn sonst später die Bäckerei übernehmen?"
"Aber ich will kein langweiliger Bäcker werden!", rief Leonard. "Brot Brot und nochmals Brot. Ich kann es nicht mehr sehen. Ich möchte Fleisch essen, seltene Früchte und Oliven." Und weil er dabei so wütend mit den Armen gestikulierte, fiel der X45 vom Marktstand, auf welchen er ihn immer als Briefbeschwerer für die Rechnungen nutzte. Erschrocken hob Leonard den X45 auf. Auch wenn er nach all den Jahren noch immer nicht herausgefunden hatte, wie der X45 funktionierte, hatte er ihn doch nie aufgegeben und wieder zurück auf den Dachboden geräumt. Irgendwie faszinierte ihn diese Suppenschüssel. Der Gedanke, dass er ihn jetzt kaputt gemacht hätte, bedrängte ihn.
Er untersuchte den X45, ob er irgend etwas abbekommen hatte, und entdeckte dabei plötzlich, an einer Stelle wo etwas Lack abgeplatzt war, einen Knopf, den er sonst immer übersehen hatte. Voller Spannung drückte er darauf, und plötzlich fing der X45 an, leise zu summen. Auf seiner gewölbten Seite leuchtete ein Symbol auf, dass Leonard nicht verstand. Plötzlich machte der X45 Pling, und dann noch ein paar mal Pling. Statt des Symbols war nun Schrift auf dem X45 zu sehen, und Leonard las voll erstaunen: "Hey, Ferdinand, hast du deinem Sohn endlich den X45-Z gegeben? Wir haben so lange nichts mehr von dir gehört. Antworte doch mal endlich." Und darunter: "Ferdinand, langsam werde ich ungeduldig. Ich habe das Gefühl, du nutzt den X45-Z gar nicht. Ansonsten antworte doch mal bitte. Wir würden euren Sohn Leonard gerne zum Entwickler ausbilden. Wir haben gehört, er ist mathematisch sehr begabt."
Der letzte Text war nur halb zu sehen und endete mitten im Satz. "Ferdinand, lies doch bitte mal deine Nachrichten und antworte uns. Es geht um den X45-Z. Er braucht..." Was brauchte wer? Der X45-Z? Meinten sie den Droiden? Was waren das für merkwürdige Texte? Waren das Briefe?
Leonard beschloss seinen Vater zu fragen. Sein Vater grummelte noch ein wenig, wegen dem Wutausbruch seines Sohns und fragte ihn: "Bist du endlich zur Vernunft gekommen?"
"Nehmen wir mal für einen Moment an, ich wäre es," lenkte Leonard ein. "Dann würde ich dich gerne fragen, was das für merkwürdige Texte sind."
"Was für Texte?", fragte Ferdinand.
"Diese Texte hier", antwortete Leonard, und zeigte Ferdinand die Oberseite des X45. "Auf dem X45."
"Oh, super, du hast endlich herausgefunden wie das Ding an geht", sagte Ferdinand. "Lass mal sehen... Hey Ferdinand... du nutzt den X45-Z gar nicht - na kein Wunder! Ich hab doch keine Ahnung von Technik. Ich konnte nie verstehen, wozu man so etwas braucht. Oh, sie wollen dich ausbilden... nun ja, vielleicht wäre das ja besser so, immerhin scheinst du ja nicht wirklich Lust zu haben, Bäcker zu werden. Und groß genug, um von zu Hause auszuziehen bist du ja auch. Aber ich muss mit Tané darüber reden. Oh, der X45 braucht neue Batterien. Wo soll ich denn so etwas auftreiben? Ah, sie schicken welche."
"Woher weißt du das? Der Text hört doch dort einfach auf?"
"Du musst mit den Fingern über die Oberfläche streichen", erklärte Ferdinand.
Leonard fragte erstaunt: "Welche Magie ist das denn?"
Ferdinand meinte: "Das ist keine Magie. Das geht irgendwie anders. Davon hab ich auch keine Ahnung. Sie nennen es Technik, Mikroelektronik und so. Dein Onkel, Captain Justin, der Seefahrer kannte sich damit prima aus."
Leonard fragte: "Technik? Was ist das? So etwas, was noch auf dem Dachboden steht?"
"Technik lässt zum Beispiel Maschinen funktionieren", erklärte Ferdinand etwas ungenau. "Und sie wollen dich ausbilden."
"Ausbilden zu was?". fragte Leonard.
Ferdinand antwortete verlegen: "Na ja, zum Techniker eben. Zu jemanden, der Maschinen entwickelt."
"Ist das abenteuerlich?", fragte Leonard.
"Nun, nicht direkt", meinte Ferdinand. "Aber es ist sehr mathematisch, und das liegt dir ja. Außerdem benötigst du dafür kein bisschen Magie, was wohl in deinem Fall sehr praktisch wäre. Und du könntest dir damit eine Menge Geld verdienen, wenn du gut bist. Aber wie gesagt, ich muss mit Tané noch darüber reden. Hättest du denn Lust?"
"Lerne ich denn da auch Leute kennen?", fragte Leonard.
"Bestimmt", meinte Ferdinand. "Du wirst auf eine Berufsfachschule gehen, wo du mit vielen jungen Leuten zusammen sein wirst."
"Auch Mädchen?", fragte Leonard.
"Nun davon werden wohl weniger in der Berufsfachschule sein", gab Ferdinand zu, "aber in der Stadt, wo du leben wirst, gibt es bestimmt auch viele Tanzveranstaltungen, wo du welche kennen lernen wirst. Verheiraten musst du dich dann allerdings selber, da wir solche Menschen nicht so gut kennen."
"Das klingt doch super. Bitte, frag Tané, ich würde so gerne in diese Berufsfachschule gehen", bettelte Leonard.
Ferdinand sagte versöhnlich: "Klar doch. Ich glaube es ist das Beste für uns alle."
Tané war zwar traurig, aber sie sah ein, dass es das Beste für alle wäre, und stimmte dem Plan zu. "Wir kommen schon ohne dich zu recht", sagte sie, aber es war zu sehen, dass es ihr schwer fiel.
"Aber wie sollen wir ihnen denn antworten?", fragte Tané. "Keine Ahnung", sagte Ferdinand. "Ich kenne mich wie gesagt nicht so mit dem Ding aus. Vielleicht findest du es ja heraus, Leonard?"
"Ich schaff das schon", sagte Leonard, der sich schon darauf freute, das Ding auszuprobieren.
"Morgen sollen die Batterien ankommen", sagte Ferdinand. "Ich glaube, es wäre das beste, wenn du zu Hause bleibst, Leonard, um die in Empfang zu nehmen. Und frag bitte, wie man sie einsetzt, ich weiß es nämlich nicht."
"Geht klar", sagte Leonard und freute sich auf den morgigen Tag, wo er mal nicht zum Markt musste.