Kapitel 3: Ein rätselhafter Fund
Leonard hasste es, Brot zu backen.
Tagein tagaus immer nur Teig kneten, ein bisschen formen (und das war noch der spaßigste Teil) und dann in den Ofen stecken und ewig warten, bis das Zeug braun geworden ist. Und dann immer soooo früh aufstehen...
Hausarbeit hasste er auch. Denn ihm passierten immer Missgeschicke, wenn er Magie einsetzen wollte. Als er beim Auffegen den Besen so verhext hatte, dass er an der Decke klebte, hatte ihn Tané seufzend entlassen. "Ach mein Sohn, du kommst eben einfach mehr nach deinem Onkel Justin..."
Sein Onkel, Captain Justin, war Seefahrer gewesen. Er hatte immer tolle Sachen von seinen Reisen mitgebracht, aber eines Tages war er auf See verschollen und kam nicht mehr nach Hause...
Leonard, der sich seines Fehlers mit dem Besen schämte, hatte sich auf den Dachboden zurückgezogen. und erforschte Captain Justins Sachen. Das machte auch viel mehr Spaß. Hier waren so merkwürdige Dinge, mit denen man entfernte Sachen ganz groß sehen konnte, merkwürdige Stangen und Winkel, jede Menge Sachen mit verrückten Gläsern. Sogar eine Brille war hier, die Leonard zwar nicht benutzen konnte, die ihn aber viel zu wertvoll für einen Dachboden vorkam. Auch zwei Kugeln ganz aus Glas waren hier, eine langweilige schwarze mit einem Stab und daneben eine, in der kleine blaue Pflanzen wuchsen. Leonard staunte, dass die immer noch Wasser hatten zum wachsen. Könnte er die vielleicht mit einem einfachen Zauber grün färben? Wäre doch bestimmt hübscher als dieses Blau. Wie ging doch gleich nochmal der Zauber? Ahja, Leonard murmelte "chlorophylus maximus" doch anstatt dass die Pfanzen grün wurden, fing auf einmal die Kugel daneben an, kleine grüne Blitze von dem Stab zur Glaswand zu senden. Leonard erschreckte sich so sehr, dass er die Pflanzenkugel fallen ließ. Diese ging erstaunlicherweise nicht kaputt, nur der Deckel der Kugel fiel ab. Aber die Pflanzen begannen aus der Kugel zu kriechen und Leonard musste sie wieder einfangen und zurück in die Kugel sperren. Eine Pflanze war so weit gekrochen, dass Leonard einige alte Teller und eine Suppenschüssel aus dem Weg räumen musste, um die Pflanze zu fangen. Schnell stopfte er die Pflanze in die Kugel, und stopfte den Deckel ganz fest auf die Kugel, dass die Pflanzen nicht wieder entkommen konnten.
Er räumte dann die Teller zurück, und dabei fiel ihm auf, dass die Suppenschüssel sehr schöne Verzierungen hatte. Diese schienen aus ganz vielen schwarzen und weißen Punkten zu bestehen, wie ein Mosaik. Und die Schüssel schien aus Metall zu sein, sehr praktisch. Die konnte man in die Glut stellen und so die Suppe wieder aufwärmen. Leonard hasste es, kalte Suppe zu essen, was leider immer wieder vorkam, da er sich so oft zum Essen verspätete.
Wie spät war es jetzt eigentlich? Bestimmt schon wieder Essenszeit.
Er warf einen Blick auf die Standuhr, die er immer wieder aufzog, wenn er auf dem Dachboden war. Seitdem ging sie auch korrekt, auch wenn sie leider nicht anzeigte, ob sein Vater gerade auf dem Weg nach Hause war - dafür aber die genaue Uhrzeit. Verdammt, schon wieder lange nach 4 Uhr. Und heute war ja Samstag, das hieß, dass sein Vater heute früher von dem Markt zurückkommen würde. Leonard nahm die Suppenschüssel in die Hand und rannte nach unten.
"Schaut mal, was ich gefunden habe!", rief er freudig, als er ins Wohnzimmer trat. Ferdinand saß bereits mit Tané am Tisch und die beiden tuschelten miteinander.
"Oh, du hast ihn also gefunden..." antwortete Ferdinand.
"Ihn? Ich dachte es heißt die Suppenschüssel?", fragte Leonard.
"Das ist keine einfache Suppenschüssel", sagte Tané. "Das ist der X45."
"Ein ixfünwunvierzich? Was soll das sein?", fragte Leonard.
"Das ist ein Droide", erklärte Ferdinand, als ob das irgendetwas erklären würde.
Leonard wunderte sich: "Wie, das soll ein weiser alter Zauberer sein?"
"Nein, es ist ein Androide, eine Maschine", versuchte Tané die Sache richtig zu stellen.
"Ist das nicht etwas klein für ein Maschine?", fragte Leonard. "Ich dachte Maschinen sind diese riesigen Geräte, die die Ritter in der Stadt immer bedienen?"
Ferdinand antwortete: "Maschinen gibt es in allen Größen, und diese ist nun mal sehr klein."
Leonard war aber immer noch nicht überzeugt: "Aber wo soll denn hier die Mechanik drin sein? Das Ding ist doch viel zu flach um irgend etwas zu beinhalten...", und er untersuchte genau die Schüssel.
"Schau mal", sagte Tané, "die Unterseite ist etwas weniger gewölbt als die Oberseite. Außerdem sind Taschenuhren doch auch sehr flach und haben trotzdem eine sehr komplizierte Mechanik."
Leonard staunte: "Und ich dachte die gehen nur mit Magie... wozu ist diese Maschine gut?"
"Das können wir auch nicht so richtig erklären.", sagte Ferdinand, "Justin hat nur lange von dieser Maschine gesprochen, dass sie das Seefahrerleben revolutionieren würde - er hat sich immer beschwert, dass seine anderen Droiden andauernd kaputt gingen... Als ich ihn fragte was so ein Droide macht, meinte er nur, dass ich das nicht verstehen würde. Es sei aber ähnlich wichtig wie Flohpulver und es sollte sogar Kamindroiden geben, die Flohpulver benutzen..."
Leonard war begeistert: "Klingt faszinierend. Vielleicht kann ich rausfinden, wie ein Droide funktioniert."
"Aber nicht heute", mahnte Tané. "Morgen müssen wir früh aufstehen und in die Kirche gehen."
"Aber ich habe morgen Geburtstag!" widersprach Leonard.
Tané ließ das nicht gelten: "Auch wenn du morgen sieben Jahre alt wirst, musst du trotzdem jeden Sonntag in die Kirche. Außerdem wirst du bald in die Schule gehen, damit du rechnen lernst und später auf dem Markt aushelfen kannst."
"Ich darf in die Schule?", freute sich Leonard. "Ich darf endlich in die Schule?"
Ferdinand sagte: "Ja, aber erst nach dem Weihnachtsgeschäft. Solange brauchen wir noch deine Kreativität in der Bäckerei."
"Und ich brauche dich zum Vorbereiten der Feier", erklärte Tané.
"Ich darf in die Schule, ich darf in die Schule!", freute sich Leonard.
"Jetzt darfst du erst einmal was essen", sagte Tané und kellte ihm auf.
Als Tané abends zum Bett von Leonard kam, hatte der immernoch den Droiden in der Hand.
"Na? Hast du rausgefunden wie er funktioniert?", fragte Tané Leonard.
"Leider nicht", antwortete Leonard. "Ob er wohl fliegen kann?"
"Der Morgen ist klüger als der Abend", sagte Tané rätselhaft.
"Dann werde ich es morgen herausfinden?", fragte Leonard.
"Oder überübermorgen. Oder in einer Woche. Oder in einem Jahr. Aber ich bin mir sicher du findest das raus. Du hast viel von Onkel Justin, weißt du, und der hat diesen Droiden immerhin entwickelt.
Aber es ist eine sehr empfindliche Maschine und sollte deshalb nicht mit dir im Bett liegen. Außerdem ist dein Schaf auch viel kuscheliger. Määh... Na? Bin ich nicht kuschelig?"
"Warum können wir das Schaf nicht verzaubern? Sodass es mit mir reden kann?"
"Weil du dann die ganze Nacht nur mit dem Schaf reden würdest. Manchmal ist es besser wenn die Dinge nur in unserer Phantasie mit uns reden. Und oft viel schöner :)"
"Na gut. Muss ich morgen wirklich in die Kirche?", fragte Leonard.
Tané sagte gütig und etwas keck: "Haben wir die Diskussion nicht jeden Samstag Abend? Natürlich müssen wir in die Kirche. Gott würde sonst uns streng bestrafen."
"Aber der Pfarrer redet immer so kompliziertes Zeug was ich nicht verstehe. Und wenn er dann aus diesem Buch vorliest verstehe ich kein einziges Wort mehr", gab Leonard nicht auf sich zu beschweren.
Doch Tané erklärte: "Das ist das heilige Wort Gottes. Natürlich ist das nicht so einfach zu verstehen. Aber irgendwann wirst du es verstehen. Und ich habe gehört dass in der Schule Gottes Sprache unterrichtet wird."
"Wirklich? Ich dachte da lerne ich rechnen und lesen und so tolle Sachen..." "Gottes Sprache ist auch eine tolle Sache, du wirst schon sehen. Und jetzt schlaf' schnell, wir wollen doch morgen früh noch deine Geschenke auspacken."
"Gute Nacht, Mama."
"Gute Nacht Leo. Träume was schönes"
"Danke du auch."
Und Tané gab Leonard einen Abschiedskuss, deckte ihn zu und verließ den Raum.
Leonard stellte verstohlen die Suppenschüssel, äh den X45 wieder in sein Bett und schlief mit ihm in dem einen Arm, das Schaf in dem anderen ein.