Kapitel 6 - die Karte der Botin

Leonard strich und tippte auf dem X45-Z herum, während er auf die Batterien wartete.

Nach Tanes Anweisung saß er vorm Kamin, für den sie extra heute den Willkommenszauber angewendet hatten, sodass jeder mit guten Absichten heute tagsüber mit Flohpulver in die Wohnung reisen konnte. Leonard hatte etwas Sorge, dass eventuell Todesser ihn aus dem Kamin überfallen könnten, aber Tane meinte, diese hätten eigentlich nie gute Absichten und wären daher gar nicht fähig durch den Willkommenszauber zu kommen.

Also wendete sich Leonard wieder dem X45 zu.

Der X45 hatte eine Menge Funktionen, und die meisten erklärten sich selbst mit kleinen Schriftzügen. Endlich fand Leonard auch die Funktion, mit der man Texte abschicken konnte, es nannte sich DLT-Nachricht, wofür auch immer das DLT stehen mochte. Er wollte gerade anfangen, zu schreiben, da klingelte es an der Tür.

"Oh, doch kein Flohpulver?", dachte sich Leonard, schnappte sich den X45 und ging zur Tür.

Eine kleine Frau saß auf einem Pferd in einem merkwürdigen Sattel. Offenbar hatte sie die Türklingel vom Pferd aus bedient. Leonard vermutete sie könnte fast eine Elbin sein, so hübsch war sie - allerdings waren Elben doch viel größer.

"Guten Tag, gnädige Dame", begrüßte sie Leonard.

"Guten Tag, junger Mann", sagte die Frau, "aber das mit der Dame kannst du dir sparen. Ich bin nicht adelig oder so, musst du wissen."

"Aber Sie reiten ein Pferd", meinte Leonard. "So etwas machen doch nur Adelige, oder?"

"Nein, ich muss nur viel bei den Magiern reisen, deshalb dieses Transportmittel", antwortete sie.

"Magier? Das ist lustig. Ich würde nie auf die Idee kommen, uns so zu bezeichnen", meinte Leonard.

"Wie auch immer. Ich nehme an, du bist der junge Leonard Trotti?", fragte sie.

"Trottoire!", berichtigte sie Leonard. Er ärgerte sich insgeheim, dass er nicht einen einfachen Namen wie Müller oder so trug. Oder Bäcker, auch wenn er diesen Beruf nicht sonderlich mochte. Aber dann würde man ihm wenigstens vernünftig anreden können.

"Oh, Entschuldigung", sagte die Frau hastig. "Ich komme mit euren mittelalterlichen Namen noch nicht so zurecht. Ich bin Hadiil Ell. Warum heißt ihr eigentlich nicht Bäcker?"

"Weil unsere Familie noch viel mehr Berufe als nur Bäcker beinhaltet. Mein Onkel war zum Beispiel Captain auf einem riesigen Schiff!", gab Leonard an.

"Oh, natürlich, Captain Justin. Er war ein toller Captain", schwärmte Hadiil.

"Sie kannten ihn?", fragte Leonard.

Die Frau stimmte überschwänglich zu: "Natürlich. Er ist einer der berühmtesten Captains unserer Zeit. Er hat die Z-Serie erfunden!"

"Die Z-Serie?", fragte Leonard.

"Natürlich", sagte Hadiil. "So eine, wie die für die die Batterien sind. Ich sollte sie euch ja bringen."

"Ach, die Batterien für den X45?", fragte Leonard.

"Für den X45-Z, um genau zu sein. Z-Serie halt. Als Neffe des Erfinders der Z-Serie solltest du schon auf den genauen Namen achten."

"Oh, ja klar. Ach das Z steht für die Serie?", fragte Leonard.

"Ja, genau. So, hier hast du die Batterien", sagte Hadiil und übergab Leonard ein gelbes Päckchen. "Würdest du dann bitte hier unterschreiben?", und sie hielt ihm ein en Stift ohne Miene und ein merkwürdiges Gerät hin, welches eine graue Fläche in der Mitte hatte.

"Aber der Stift hat ja gar keine Miene?", fragte Leonard besorgt.

"Das muss so", meinte Hadiil. "Und keine Angst, wenn es ein wenig verkrakelt aussieht. Das passiert den meisten."

Leonard unterschrieb und auf magische Art kam unter dem Stift eine Linie zum Vorschein, die allerdings nicht genau unter dem Stift erschien, wodurch die Unterschrift sehr krakelig wurde.

"Äm, gut. Können Sie mir zeigen, wie man die in den X45-Z einbaut?", fragte Leonard. "Ich hab davon nämlich keine Ahnung, und mein Vater erst recht nicht."

"Klar. Gib mir mal den X45-Z", forderte ihn Hadiil auf. "Danke. Jetzt nimmt man einen Schraubenzieher, Moment, wo hab ich meinen nur gelassen... halt mal kurz den X45-Z. Kannst ihn ja schon mal ausschalten."

Leonard nahm den X45-Z und drückte auf die Taste, die er entdeckt hatte, in der Hoffnung, dass das Ding dann ausgehen würde, was es dann auch tatsächlich tat.

Zumindest erloschen die Zeichen auf seiner Oberseite.

Hadiil hatte inzwischen das Ding was sie gesucht hatte, gefunden. Es war in etwa so lang wie ein Zauberstab, nur etwas dünner. An einem Ende war es platt und am anderen war ein Griff, so wie der eines Messers, nur dass er durchsichtig wie ein Edelstein war. Leonard gab ihr den X45-Z und sie steckte das Ding, was wohl der Schraubenzieher sein musste, in ein paar Schlitze auf der Unterseite, drehte ein wenig, und es kamen zwei dünne ¿Nägel? aus dem X45-Z.

Dann ging eine Klappe auf, und darunter kamen zwei Zylinder zum Vorschein.

"Nun ist es ganz einfach", erklärte Hadiil. "Du ziehst hier an diesem Bändchen und die Batterien springen heraus. Hier, probier es mal!"

Leonard nahm den X45-Z entgegen und zog an einem dünnen Bändchen. Die Zylinder sprangen ihm entgegen, und er versuchte sie ungeschickt aufzufangen, was Hadiil sehr belustigte. Er schämte sich ein wenig.

Hadiil meinte dann: "Jetzt kannst du die Batterien aus dem Paket einsetzen und dann den X45-Z wieder zuschrauben. Ich muss jetzt aber wirklich weiter, ich kann dir ja nicht alles zeigen. Kommst du übrigens zur Berufsfachschule?"

"Ja, klar", antwortete Leonard. "Weißt du, wo ich so einen Schnaubenzieher bekomme?

"Hm, in einer gewöhnlichen Schmiede wirst du wohl so etwas nicht bekommen", sagte Hadiil. "Hier, ich gebe dir meinen für den Anfang. Aber du wirst noch einiges brauchen, wenn ihr solch Zeug nicht bei euch habt. Am besten kommst du mich mal im Schiebeweg besuchen, dann können wir zusammen einkaufen. Schick mir einfach ne DLT-Nachricht. Hier ist meine Karte, da ist auch ein Quadrat Code drauf mit einem Link zu meiner Internetadresse. Ach so, und hier hast du noch die Schrauben. Bis später!", sagte sie, legte einen merkwürdigen Knüppel auf ihrem Pferd um und es bäumte sich auf und galoppierte davon.


Wieder in seinem Zimmer, versuchte Leonard, die Batterien auszupacken. Das Paket war kein Problem. Es hatte zwar ein merkwürdiges, durchsichtiges glattes Band quer über die Mitte geleimt, aber dieses ließ sich leicht abpulen. Das Problem war die zweite Verpackung in der die Batterien steckten. Sie war aus einem merkwürdigen durchsichtigen Material, was fest war, aber nicht zerbrechlich, sondern leicht biegsam. Es schien keine Öffnung zu haben, sodass Leonard schließlich ein Messer holen musste, um sie zu öffnen. Dann wollte er die Batterien in den X45-Z einsetzen, aber er stellte fest, dass die Batterien eine flache und eine knubbelige Seite hatten. Es spielte bestimmt eine Rolle, in welcher Richtung man diese in den X45-Z einsetzte, aber wie war es richtig? Er schaute sich das Fach in der Unterseite des X45-Z an und fand auf der einen Seite des Faches eine Feder, auf der anderen Seite eine Klemme.

Ihm erschien es nur logisch, dass die glatte Seite an die Feder geklemmt werden musste, und steckte die Batterien solang hinein. Dann schloss er die Klappe und steckte die Nägel, die merkwürdig geriffelt waren, in die Löcher auf der Klappe. Wie hatte das Hadiil gemacht? Gedreht an den Nägeln? Tatsächlich, mit dem Schnaubenzieher ließen sich die Nägel in den X45-Z hinein drehen. Clever. Man konnte sie auch wieder hinaus drehen! Aber Leonard wollte ja noch die Antwort schreiben. Schnell drehte er die Nägel wieder in das Gerät und schaltete den X45-Z ein. Er fand schnell wieder die Oberfläche, in welcher er die Antwort schreiben konnte. Doch wie schrieb man auf so einem Droiden?

Er versuchte in das weiße Feld mit dem Finger zu schreiben, und plötzlich erschienen drei Reihen Buchstaben, die völlig durcheinander angeordnet waren. So eine Unordnung! Was war das nur für ein Alphabet? Aber Leonard fand sich zurecht und nach einiger Zeit auch die richtigen Buchstaben, sodass er eine Antwort an den mysteriösen Absender namens Flavia Pi zustande bekam. Er teilte mit, dass er es sehr begrüßen würde, in der Berufsfachschule angenommen zu werden und dass die Batterien angekommen wären. Dann überlegte er, wie er den Quadratcode von der Botin ¿wie hieß sie noch mal? entschlüsseln sollte. Nachdem er das Text-Programm geschlossen hatte, fiel ihm ein weißes Feld mit einem Kreis mit einem Strich auf, und er tippte hinein. Wie er erwartet hatte, tauchten wieder die Buchstaben auf, und er schrieb Quadratcode. Tatsächlich kam ein Zeichen, welches seinem Quadratcode ähnlich war. Er tippte es an, und plötzlich geschah etwas Unglaubliches:

Der Droide sprang plötzlich auf, und sagte: "Bitte geben Sie mir den Code."

Leonard gab ihm verdutzt die Karte. Der Droide nahm die Karte in eines seiner plötzlich erschienen Beine, hielt sie unter seine Mitte, machte dann "Pling" und sagte dann: "Die Kontaktdaten von Hadiil sehen sie auf der Anzeige. Auf Wiedersehen", und die Beine verschwanden wieder im Droiden.

Leonard immer noch verblüfft, sah auf die Anzeige, und tatsächlich, da war ein Bild von Hadiil und daneben stand: "Hadiil Ell. Als Bekannte hinzufügen?"

"Nun, ich kenne sie ja flüchtig. Also klar, füge ich sie hinzu", dachte sich Leonard. Er drückte also auf "Ja", und plötzlich kam eine große Überschrift:

"Willkommen bei TechNect - die Connection für Techniker", und darunter in etwas kleineren Buchstaben: "Bitte geben Sie ihren Vor- und Nachnamen an."

Leonard kannte sich inzwischen mit diesen weißen Feldern aus, und schrieb Leonard in das weiße Feld. Er wollte gerade Trottoire dahinter schreiben, als ihm einfiel, wie oft schon Leute seinen Nachnamen falsch verstanden hatten, und ihn als Trottel bezeichneten. Er dachte sich, es könne ja nicht schaden, wenn er einen anderen Nachnamen eingeben würde. Irgend eine Berufsbezeichnung. Müller? Nein, zu dicht am Bäckerberuf. Bäcker auf keinen Fall. Welcher Beruf hatte denn mit Technik zu tun? Ritter? Nein, das war ihm zu kriegerisch. Schuster? Ja, warum eigentlich nicht? Der hatte einen Haufen Geräte, mit denen er die Schuhe bearbeitete. Also nannte er sich Leonard Schuster.

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