Kapitel 4: In der Kirche - sie singen Lieder...

... ja das war der schöne Teil, die wahrhaft göttliche Musik in der Kirche wenn die Orgel ertönte und manchmal gab es sogar einen Chor mit mehreren Stimmen. Leonard wünschte sich oft, dass Gott ihn auch mit so einer himmlischen Gabe gesegnet hätte, aber er konnte kein Instrument spielen und auch keine Noten schreiben. Bisher konnte er ja noch nicht Mal schreiben. Ob sich das bald ändern würde? Er würde ja bald zur Dorfschule gehen dürfen! Aber vorher musste er hier in der Kirche zuhören. Jetzt war es wieder so weit, der Pfarrer nahm das große dicke Buch und würde sie wieder mit Gottes Sprache besprechen die er vermutlich nicht einmal selbst verstand, so monoton trug er es vor: 

"Deponentes igitur omnem malitiam et omnen dolum et simulationes et invidias et omnes detractiones sicut modo geniti infantes rationale sine dolo...", so lamentierte der Pfarrer vor sich hin.

Leonard langweilte sich tierisch. Da entdeckte er plötzlich eine Ameise auf der Kirchenbank. Nicht weit daneben lief eine zweite. Er ließ sie über seine Finger krabbeln und hatte plötzlich das Gefühl, die Ameisen würden gerne etwas Süßes haben wollen. "Ich hab da noch n Stück Geburtstagskeks im Mantel", dachte er bei sich. "Ob ihr den wohl mögen würdet?" Auf jeden Fall, hatte er das Gefühl. Also nahm er den Keks aus seinem Mantel und krümelte es auf die Kirchenbank. Der Pfarrer schaute ihn böse an, lamentierte aber weiter in der Leonard so unbekannten Sprache: "...propter quod continet in scriptura..." 

"Wenn er doch nur mal damit aufhören würde", dachte sich Leonard. "Könnt ihr nicht was dagegen unternehmen?" fragte er in Gedanken die Ameisen.

Und er hatte das Gefühl, dass die Ameisen tatsächlich etwas dagegen unternehmen würden. Eine nach der anderen Ameise verschwand, wobei einige Krümel mitnahmen. Die letzte Ameise verschwand mit einem Kekskrümel und plötzlich waren alle Ameisen verschwunden. Leonard war schon traurig, dass seine Ablenkung weg war, als plötzlich der Pfarrer mit dem Mundwinkel zuckte und sich versprach: "...et lapis offensionis et petri, äh petra scandali, qu, qu, ah es ist doch ein Skandal mit diesen Ameisen! Gott verfluche sie alle!" Und er kratzte sich überall, machte dabei so lustige Verrenkungen, dass die Leute in der Kirche anfingen, leise zu lachen.

Wütend ging er von der Kanzel, zeigte aber kurz bevor er ging noch einmal drohend auf Leonard und sagte: "DU! DU bist daran Schuld! Du hast sie angelockt mit deinen KEKSKRÜMELN! DER GOTTESDIENST IST BEENDET!"


Als sie wieder zu Hause ankahmen, wies ihn Ferdinand zurecht: "Was hast du dir nur dabei gedacht? Wie konntest du nur den Pfarrer so demütigen?"

"Aber ich war das gar nicht", versuchte Leonard sich rauszureden.

"Ach nein?", fragte Ferdinand "Wer hat denn die Ameisen mit den Kekskrümeln angelockt?"

"Die Ameisen waren vorher schon da", rechtfertigte sich Leonard. "Außerdem - wenn ich sie mit den Krümeln zu mir gelockt habe, warum sind sie dann zum Pfarrer gekrabbelt? Hatte der auch Kekse auf seiner Kanzel? Wahrscheinlich konnten selbst sie einfach nicht mehr sein Geschwafel ertragen."

"Wie auch immer. Auf jeden Fall musst du für den Pfarrer einen Entschuldigungskuchen backen", beschloss Tané das Gespräch.

"Och nee, nicht schon wieder ein blöder Kuchen", murmelte Leonard vor sich hin.

"Wie bitte?", fragte Tané. "Ich wollte nur sagen", sagte Leonard schnell, "ja mach ich doch gerne für unseren geliebten Pfarrer."


Weihnachten kam und ging, dem Pfarrer hatte der Kuchen geschmeckt und er verzieh Leonard und Leonard kam endlich in die Schule. Die Schule bestand nur aus einem kleinen Raum, in welchem fünfzehn Handwerkerkinder saßen und an verschiedenen Aufgaben arbeiteten. Leonard war mit drei anderen Kindern neu in der Gruppe und der Lehrer brachte ihnen die Zahlen und Buchstaben bei. Die Kinder, die schon länger da waren, übten sich im Briefe schreiben und Preise berechnen. Magie wurde zum Glück nicht gelehrt, da davon ausgegangen wurde, dass man diese zu Hause gelernt hatte. So fiel zum Glück nicht auf, dass Leonard in diesem Bereich sehr ungeschickt war. Im Matheunterricht war Leonard ungewöhnlich gut, sodass der Lehrer nach vier Jahren ein Empfehlungsschreiben für die Oberschule den Eltern mitgab. Er meinte, aus Leonard könnte ein erfolgreicher Händler werden, wenn er weiter so gut lernen würde.

Leonards Eltern freuten sich über die Erfolge ihres Sohnes, konnten sich allerdings eine Oberschule nicht leisten. Leonard war darüber zwar traurig, aber er sah es ein, dass er auf dem Markt gebraucht wurde und half seinem Vater beim Verkauf der Brote und anderem Gebäck.

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